Nachtrag:

Niklas Luhmann wird von seinen Schülern auf die Rocinante gehievt

Der „Erweiterte Kunstbegriff“ systemtheoretisch  

Indem Luhmann sich bemühte, das Autonom-Werden der Kunst zu verfolgen, geriet der Energie- oder Blutkreislauf im Mutterkuchen Gesellschaft etwas aus dem Focus. 

Luhmann lässt immer wieder anklingen, dass die Autonomie der Kunst in der Moderne zu ihrem Nachteil werden könnte.  

Die zunehmende Verzwergung der Kunst, die wir seit den 70er Jahren ( seit dem Erscheinen von „Kunst und Gesellschaft“) beobachten können, ist eine Konsequenz der Autonomie der Kunst und zeigt, dass die Kunst die epochale Wende des „Erweiterten Kunstbegriffs“ nicht realisieren konnte.

Die systemtheoretische Methodik kommt zum Ergebnis, dass die Kunst – wie kein anderes Sozialsystem – die Moderne Gesellschaft in ihrer Grundverfassung repräsentiert.

Parallel dazu setzt der Künstler Joseph Beuys, der kein Soziologe ist, aus vergleichbaren Einsichten den Satz: „jeder Mensch ein Künstler“ in die Welt.

Der Soziologe Niklas Luhmann hat in „Kunst und Gesellschaft“, etwas zeitverzögert, etwa dasselbe bis ins Detail ausformuliert, was Joseph Beuys im Satz – jeder Mensch ein Künstler – verdichten konnte.

(So, meine These!)

Leider konnte noch keiner der Luhmannschüler daran anknüpfen!

Was wohl Dirk Baecker zu diesen Thesen zu sagen hat?

„Jeder Mensch ein  Künstler“  

als Gesellschaftsdiagnose

Der erweiterte Kunstbegriff – jeder Mensch ein Künstler – ist nicht die Erneuerung der Ideale desIdealismus á la Schillers „Ästhetische Briefe“, die bevorzugte, aber unzutreffende Interpretation dieses Satzes.

„Jeder Mensch ein Künstler“ ist auch keine anthropologische These, wie man verführt wäre anzunehmen. 

Das Soziale musste sich erst entsprechend entwickeln, um so einen Satz Gültigkeit zu verleihen. Er erhebt nicht Anspruch auf ursprünglich anthropologische Gültigkeit. Beuys hat nicht, etwas verspätet, die Kreativität des Menschen entdeckt.

Nietzsches Ausruf „Gott ist tot“ und M. Duchamps „readymade“ geben den Wendepunkt an (1). Ab diese Zeit waren die gesellschaftlichen Voraussetzungen gegeben, um innerhalb der Kunst die Auffassung reifen zu lassen, dass die Kreativität jedes Menschen Kunst werden kann. 

Damit diese Eigenschaft des Menschen zur Wirkung kommen kann, bedarf es keiner speziellen Disziplinen, wie sie im Theater, in der Musik, der Malerei oder Dichtung gefordert sind. Die innerhalb der Kunst sich entwickelnde Tendenz, Kreativität auf alle menschlichen Tätigkeiten auszudehnen, weist auf eine grenzüberschreitende Notwendigkeit hin. 

Wenn Kunst in allem und überall gefordert ist – was viele Künstler der Nachkriegszeit erlebten und ausdrückten  –  ist es logisch, die Kreativität nicht mehr auf spezielle Verfahren im Kunstbereich zu beschränken, sondern anzunehmen, dass die Gesellschaft und der Mensch sich so entwickelt haben, dass das, was vordem nur in der Kunst möglich war, auch außerhalb der Kunst Anwendung finden sollte. 

Diese von Beuys überzeugend in den Raum gesetzte These bestätigt sich gerade dadurch, dass ihr nicht entsprochen wurde, wie im Weiteren aufgezeigt wird. Stattdessen hat sich ein gewaltiger Popanz (die Mediokratie) vor uns aufbaut, der das genaue Gegenbild des erweiterten Kunstbegriffes ist.  

Nehmen wir die zusammenfassende Aussage aus „Kunst der Gesellschaft“, die besagt, dass die Kunst, – wie kein anderes System – die moderne Gesellschaft abbildet, sehen wir, wie nahe sich Beuys und Luhmann in ihren Einschätzungen gekommen sind. 

Vielleicht geht Luhmann sogar noch einen Schritt weiter, wenn er für seinen Bereich der Wissenschaft der Soziologie fordert (2), dass diese von der Kunst und deren Selbstbeschreibung lernen könne. 

Ende der 60er Jahre des 20. Jahrhunderts wurde der erweiterte Kunstbegriff von Beuys mit diesem bis heute missverstandenen Satz – jeder Mensch ein Künstler – geprägt. 

Ziehen wir den Aufforderungscharakter und den Anschein einer anthropologischen These von dieser Darstellung des erweiterten Kunstbegriffes ab, so kann er als realistische Einschätzung unserer sozialen Gegenwart angesehen und angewandt werden. 

Betrachten wir die Problemlagen unserer Zeit: Die natürliche Umwelt und deren Gefährdung sowie die Gefährdung unserer Demokratien durch autoritäre und kollektivistische Regierungsformen, dann leuchtet der Satz von Beuys als positives Gegenbild hervor.

Wir befinden uns heute in einer Situation, in der jedem täglich vorgeführt wird – sofern er sich nicht nach kollektiver Führung sehnt – , dass die Kreativität jedes Menschen in jeder Situation, in jedem Bereich gefordert ist, um die oben angedeuteten Probleme zu meistern. 

Systemtheoretisch gesprochen: Die ausdifferenzierte moderne Welt war – seit Beginn des 20ten Jahrhunderts  – an einem Punkt angekommen, an dem in der Kunst das Wissen um die Kreativität jedes  Menschen ausformuliert werden konnte. 

Wie aber soll das gehen? Es kann ja nicht alles Kunst werden? Wissenschaft, Recht, Technik, Politik haben ihre eigenen Autonomien ausgebildet, was könnten sie von Kunst lernen?

Die sich ergebenden systemtheoretischen Fragestellungen zur These des erweiterten Kunstbegriffes stoßen zuerst auf scheinbar unüberbrückbare theoretische Widerstände: 

Wie können Fähigkeiten, die des Schutzes eines Sozialsystems bedürfen und operational nur innerhalb dieses Systems ausgebildet werden können, auf die Gesamtgesellschaft übertragen werden? Wie können Kunst und Gesellschaft zusammenwirken, um dies zu ermöglichen? 

Ein System kann seine Umwelt nur systemintern wahrnehmen, nie objektiv von außen, so die Systemtheorie. Seine Verbindung zur Umwelt erfolgt strukturell, über Sprache und Medien und durch Menschen. 

Sprache, Schrift, Buchdruck, Computer werden im System und in dessen Umwelten verwendet, deren Veränderungen zwingen die Systeme zu Anpassungen. 

Aber auch die Menschen bewegen sich mit ihren Identitäten nicht nur in der Kunst, sondern in der Gesellschaft, von der sie ebenso geformt werden.

Zu den strukturellen Bedingungen gehört die Natur und damit alle natürlichen Umweltfragen wie Erderwärmung, Artensterben, Ressourcen wie Wasser, Luft, Fossilen, mineralische Stoffe usw. 

Sind innerhalb der Gesellschaft seit den 70er Jahren Tendenzen auszumachen, die die These belegen, die die Forderung notwendig erscheinen lassen, „jeder Mensch  ein Künstler“ – nicht HobbymalerIn oder  FreizeitkabarettistIn, sondern „Künstler im Sozialen“, an dem Platz, an dem er/sie gerade steht?.

Was muss im Verhältnis von Selbst- und Fremdreferenz geschehen, damit die Kunst die Gesellschaft beeinflusst, statt sich autonom von gesellschaftlicher Einflussnahme abzusetzen.?(3) 

Bisher ist es der Kunst darum gegangen – so Luhmann – der Gesellschaft den Zweck der  „Zwecklosigkeit“ plausibel zu machen.

Soll / könnte es jetzt darum gehen, eine Art Zweckfreiheit in die Gesellschaft einzuführen, um 

Was wohl „Armin Nassehi“ zu diesen Thesen zu sagen hätte ?

diese Zweckfreiheit anderen Bereichen, zB der Wissenschaft, wieder schmackhaft zu machen?

In „Kunst der Gesellschaft“ wird beschrieben, wie der Kunstbereich autonom wurde. Die Auswirkungen der evolutionären Veränderungen auf den Menschen werden von Luhmann bewusst ausgeklammert. 

Gesellschaftliche Veränderungen haben jedoch massive Auswirkung auf die Menschen, die sich nicht nur in der Kunst bewegen, sondern auch Erdenbürger, Staatsbürger, Wähler, Väter, Mütter, Konsument, Lehrer in der Welt sind.(4) 

Luhmann beschrieb, wie zB die Religion im Mittelalter für die Kunst das ideale Biotop abgab, indem sie ihre Autonomie vorbereiten konnte. Er verwies auch auf die Aufklärung und das geistige Klima der Rationalität, dem gegenüber die Kunst mit ihrem Geschmacksurteil irritierend wirkte.

Wie sehen die entsprechenden Wechselwirkungen in der Moderne aus?

Steht die Kunst in der Modernen Gesellschaft für etwas Vergleichbares wie die Religion für die mittelalterliche Gesellschaft ….?

Schauen wir auf die Zeit seit den 70er Jahren, treten  im Verhältnis Kunst / soziales Umfeld interessante Phänomene auf, die Klärendes für die Realität des erweiterten Kunstbegriffes bringen.(5)

Mediokratie

Die Entwicklung der Medien, deren Verhältnis zur Politik, wie das Verhältnis der Politik zu den Medien, die in der Moderne viele gesellschaftliche Aufgaben der Kunst übernommen haben (6), hat diese zur  Karikatur verzerrt. Diese täglich zu beobachtende Satire von Medien und Politik wird Mediokratie genannt. 

Putin im Amt

Unter Corona hat sich auch das Verhältnis der Wissenschaft zu sich selbst und ihr Verhältnis zu Politik und Medien noch einmal verschoben. (7) 

Die verklebte Allianz von Politik und Medien wurde durch den Krieg inmitten Europas verfestigt. Unter Corona und angesichts des Krieges haben Schreckens-Szenarien eine bisher ungeahnte Konjunktur erlangt und unvorstellbare Manipulationsmöglichkeiten freigesetzt.

Der Begriff Mediokratie sagt an sich wenig aus, zeigt jedoch die Perversionen auf, wie Politik und Medien Bevormundung verstärkt einsetzen. 

Eine Bevormundung – so wird moralisch argumentiert – die der Gesundheit und Sicherheit der Bürger zu gute kommen soll. 

Die Bevormundung des Staates mit kräftiger Unterstützung der Medien hat unter Corona (in Österreich) zur demokratisch beschlossenen  Impfpflicht geführt – und Gott-sei-es-gedankt – auch wieder zu einer (mehr oder weniger still verlaufenden) Annullierung des Gesetzes. (8) 

Generalmajor Striedinger Österreich

Das Militär bekam schon unter Corona leitende Funktionen zugewiesen und ihre strategischen Fähigkeiten wurden in der Pandemie eingesetzt. Im Anschluss konnten die Frontlinien des Krieges in der Ukraine dem Publikum näher gebracht werden.

Allgemein kann man feststellen und belegen, dass die  Medien seit Jahrzehnten alle politischen Fragen auf ein Niveau herunternivellieren, das nach Auffassung von Medienvertreterinnen und PolitikerInnen dem „einfachen Bürger“ (der Verzwergung des Staatsbürgers) entspricht. 

Schon in Wahlzeiten – lange vor Corona – war zu beobachten, wie Finanzfragen öffentlich darauf  reduziert werden, wie sie sich auf das „Börserl“(9) jedes Bürgers auswirken würden. Während Finanzkrisen die Welt erschütterten, gingen Politik und Medien – nach ersten Aufregern – in der Tagespolitik und in den Themenschwerpunkten zu Wahlen darauf nicht mehr ein. Bei der letzten Wahl von Frau Merkel zur Kanzlerin der BRD wurden, in Absprache von Politik und Medien, nur Fragen zugelassen, die den „dummen Bürger“ nicht zu sehr verunsichern. Details zur Finanzwirtschaft hätte die Menschen zu sehr überfordert. 

Was damals das „Börserl“ war, sind heute Anweisungen, wie lange der Bürger duschen darf oder wie er seine Gesundheit durch Impfen, Impfen, Impfen zu schützen habe.

Was früher nur Faschisten wie Mussolini taten – die Menschen zu ermahnen, dass sie in Zukunft den Gürtel enger schnallen müssen – macht heute der grüne Vizekanzler der BRD Robert Habeck, der sich sein Verhältnis zur Welt im Kinderbuch-Schreiben aneignete und seine Bürger wie dumme Kinder behandelt.

Negativbeispiele aus der „Mediokratur“ sagen wenig über das aus, was unterlassen wurde. 

Der Leitfaden der Bevormundung, der völligen Unterschätzung der Kapazitäten und Fähigkeiten der Menschen, ihre systematische Verdummung durch Politik und Medien, 

die Reduzierung des Menschen auf den Konsumenten, der ein Recht auf sein Klopapier, seine warme Dusche und eine angepasste Miete hat (10), macht deutlich, wie wichtig eine erweiterte Sicht des Menschen ist, wie sie in – jeder Mensch ein Künstler – angelegt ist.

Der mächtige Popanz, der sich aus dem Zwergenstaat der Medienvertreter- und PolitikerInnen aufgetürmt hat, verweist in seinem Gegenbild auf das Fehlende! 

Hinter dem Satz „jeder Mensch ein Künstler“ steckt ein Menschenbild, das dem Menschen seine Würde und Größe wiedergibt, das den Menschen als Kreatur und Kreator. nicht nur moralisch ermahnt und mindert, sondern in ihn Vertrauen und Hoffnung setzt.

Coronageneral der BRD

Der Aufschrei, die Demokratie sei durch die Maßnahmen unter Corona gefährdet 

– die Wissenschaft verliere ihre Grundlage, sich selbst zu falsifizieren, auf Grund des Handlungsdrucks in der Pandemie  

– die Mahnung, die Friedenspolitik sei zur Kriegspolitik geworden und 

– die Forderung, die Medien sollten sich wieder auf ihre zentrale Aufgabe der Information konzentrieren statt zu meinen, sie wären staatslenkend. 

Verweisen diese Aufschreie nicht auf gewaltige tektonische Verschiebungen im sozialen Gefüge? 

Oder ist das der übliche larmoyante Stil eines kritischen Intellektuellen? 

Ein hypothetische Frage: 

Putin im Profil

Hätten wir uns ab den 70er Jahren an direkt demokratischen Strukturen, d.h. an der Idee „ jeder Mensch ein Künstler“ üben können, hätten wir es dann 2021 gewagt, die Frage einer allgemeinen Impfpflicht direkt demokratisch anzugehen? 

Hätten wir im Frühjahr 2022 die Frage, ob wir russisches Gas und Öl wollen, oder nicht, auf direkt demokratischen Wegen entschieden?

Mit Bürgern, die seit Jahrzehnten von Politikern und ModeratorInnen zur Unmündigkeit erzogen werden, deren Instinkte: „wo bleib ich“ täglich bis in die  kleinsten Nachrichten genährt werden, wäre ein direkt demokratisches Experiment: „Wollen wir russisches Gas oder nicht“, wirklich ein riskantes Spiel.

Kunst ab den 70er Jahren

Der Blick auf die Entwicklung der Kunst seit den 70er Jahren zeigt eine verstärkte Bemühung der Kunst, den politischen Anforderungen gerecht zu werden.

Der Kunstbetrieb hat sich in den letzten Jahren dem allgemeinen Integrationsdruck der Gesellschaft, jedes Randphänomen ins Zentrum der Aufmerksamkeiten zu zerren, ausgesetzt. Er hat dies sogar als Chance gesehen, Aufmerksamkeit zu bekommen, um über den Sonderstatus der Spinner und Clowns hinauszukommen. Durch diese „political art“ hat er aber auch Autonomie eingebüßt.

Systemtheoretisch gesehen ist die gegenwärtige Politisierung der Kunst kontraproduktiv, da alles –  eben auch Politik – sobald es im Kunstsystem auftaucht, zur Kunst wird. Wie im Märchen Dornröschen, wo alles für eine Zeit einfriert, so, als ob der Film der Welt stehen bliebe und nur mehr die Kunst als Beobachter weiterliefe.  

Bis in die 70er Jahre stand in der Kunst Kommunikationsverweigerung noch auf der Tagesordnung und jede Einflussnahme von Außen wurde abgewehrt, heute werden gesellschaftliche Modethemen (11) zum Anlass genommen, Kunst zu machen. 

Kunst hinkt damit heute – wie Heinz Bode (12) bemerkte – den gesellschaftlichen Themen meist hinterher. Bis in die 70er Jahren konnte in der Kunst etwas entdeckt werden, was erst Jahre später gesellschaftlich relevant wurde.

Beuys ging es nicht darum, Politik in die Kunst einzubringen, sondern umgekehrt, die Kunst in die Politik, in die Demokratie, in die Wissenschaft, in die Innovationen der Wirtschaft und die Gestaltung des  Finanzwesen zu implantieren. (13).

Die Richtung war nicht eine verstärkte Politisierung der Kunst, sondern Politik-, Wirtschaft-, Wissenschaft  als Kunst zu praktizieren. 

Ist die „Honigpumpe am Arbeitsplatz“ nicht ein wunderbares Bild für einen gut funktionierenden Wissenschaftsbetrieb?  

Die Politisierung der Kunst muss aus systemtheoretischer Sicht unweigerlich zur Verzweckung der Kunst bzw. zum „Kulturalismus“(14) führen. 

Kunst wird zum politischen Souvenir und verliert seine Wirkkraft. 

Der „erweiterte Kunstbegriff“ verschob das Politische nicht in eine Kunstnische, wie dies auf der Documenta 15 und der Biennale in Venedig zu beobachten ist, sondern die Kunst wirkte damals direkt auf demokratische Prozesse ein, gestaltete Geldflüsse ( Finanzierung der 7000 Eichen), beeinflusste das Geschehen an Universitäten ( Besetzung von Beuys und seinen Schülern des Sekretariats der Düsseldorfer Akademie), gründete Parteien, Wählerinitiativen und und…

Um die Position der Kunst seit den 70er Jahren zu verstehen, könnte die Systemtheorie in Zusammenklang mit dem „erweiterten Kunstbegriff“ dazu beitragen, die Richtung der sich politisch orientierten Kunst zu beobachten. 

Der Popanz 

Karl Lauterbach

Es ist zu beobachten, wie die Gesellschaft ihren eigenen „erweiterten Kunstbegriff“ realisiert, als wolle sie sein Negativ-Zerrbild zeigen und damit einen Popanz aufrichtet, den schlagen zu dürfen, dessen Wirkung verstärkt.  

Die Verbindung von Medien und Politik, von Wissenschaft und Medien ist die pervertierte Seite des „Erweiterten Kunstbegriffs“: Ronald Reagan, Berlusconi, Donald Trump, Wolodymyr Selenskyj waren selbst Künstler oder geübte Medien-Spezialisten für News & Fake-News.  

ehemaliger Kanzler Sebastian Kurz, Österreich

Luhmann ist in mehreren Kapiteln auf das Kernthema der Kunst: „Fiktion (Illusion) und Wirklichkeit“ eingegangen. Diese Kernthemen der Kunst sind heute die Themen von Politik und Medien geworden. Der erweiterte Kunstbegriff zeigt sich dort in Gestalt der Fake-News.(15)

Was bisher Kunst war – die Beziehung von Fiktion und Reality – ist jetzt Allgemeingut geworden. 

An Figuren wie Karl Lauterbach und Dr. Christian Drosten wird sichtbar, wie die Kunst heute zum selbstverständlichen Element der Politik, der Wissenschaft und der Medien wird.

Karl Lauterbach

Karl Lauterbach: 

Kabarettist für die Pharmaindustrie, 

Clown an der Rampe, 

das Krokodil im Kasperltheater, das jedesmal, wenn es daneben liegt, eine Klatsche bekommt. 

Kein anderer wie Karl Lauterbach ist so geeignet, das Krokodil im Kasperltheater Corona zu spielen. Er muss psychische Nebenwirkungen und Hysterie nicht darstellen, sondern lebt sie publikumstauglich vor – eine geniale Besatzung des Gesundheitsministers. 

So wie auch Selenskyj eine geniale Besetzung für den Krieg inmitten Europa ist, den die Russen „militärische Operation“ nennen ( die müssen Luhmann gründlich studiert haben). 

Dr. Christian Drosten

Das Gegenbild zu Lauterbach ist der smarte Dr. Christian Drosten, der immer unausgeschlafen und unfrisiert, wie ein Lover-Boy medial präsent war. Er verstand es, über die neue Technik des Podcasts die nötige Aufklärung zu vermitteln, um jener mRNA Technik und Methode zu erklären, die jünger als er selbst ist und der er „ein Gesicht gab“ – wie heute gesagt wird.

Dr. Christian Drosten

Weitere Spitzen des pervertierten „erweiterten Kunstbegriffes“ zeigen sich:

wenn das Ideal der, „kreativen Zerstörung“ von Schumpeter als Überschrift in einer der großen deutschen Zeitungen prangt („Welt am  Sonntag“ vom 07.08. 22).

Was deutlich macht, wie unsere institutionelle Trägheit, unsere langsamen institutionellen Wege jede kreative Entwicklung verhindert, um bei der ultimativen Lösung zu enden, beim Krieg, dem Vater aller Dinge! 

Der Krieg, die „ultimo Ratio“, wo Zerstörung der letzte Ausweg bleibt, um Zukunft zu gestalten ( Schumpeter).

Zerstörung der Form ist das letzte Mittel der Kunst, um ihre Souveränität zu demonstrieren, wie im vorigen Artikel dieser Serie deutlich herausgearbeitet wurde.  

Zerstörung ist aber auch das Eingeständnis, dass die im Sozialen eingesetzte formgestaltende Kunst nicht ausgereicht hat: Es ist ein Armutszeugnis für praktizierte Demokratie und weist auf grundlegende Funktionsfehler hin.

Generalmajor Striedinger Österreich

Der Krieg ist die Kehrseite des erweiterten Kunstbegriffs, der positiv auf den Fähigkeiten jedes Menschen aufbaut. Im Krieg werden Menschen  vernichtet, mit der unausgesprochenen Hoffnung, die Überlebenden würden es besser machen. So ein Irrsinn! Es wird sich nach dem Krieg dasselbe wiederholen, nur mit anderen Vorzeichen!

Wolodymyr Selenskyj

Es werden durch den Krieg keine besseren Positionen, für die eine oder andere Seite, heldenhaft erkämpft. Nicht einmal Gebietseroberungen lassen sich in Friedenszeiten auf längere Zeit konfliktfrei halten. Sie bleiben als permanentes Konfliktpotential (16) über Jahrzehnte, Jahrhunderte erhalten.

Der erweiterte Kunstbegriffs wäre die logische Konsequenz aus der Theorie der „Kunst der Gesellschaft“ von Niklas Luhmann!  

Die über Jahrzehnte eingeübte Bevormundung der Menschen durch Politik in Verbindung mit den Medien – unter Corona noch einmal gesteigert – hat zum Krieg geführt und lässt einen Krieg andauern, der längst beendet hätte werden können! (17)

Karl Lauterbach


Abschließende Fragen

Niklas Luhmann gerüstet für die Kunst

Kommt der Satz  – „jeder Mensch ein Künstler“ – bei Luhmann vor? 

Er kommt in der Konstruktion von marked und unmarked space vor, er kommt in der Fähigkeit der Sprache vor, zu allem eine positive und eine negative Seite einnehmen zu können. Er kommt im Paradox vor, in der Fähigkeit des Differenzierens und damit eine höhere, die Gegensätze verbindende Einheit einzuführen, die unsichtbar bleibt, aber mit der doch gearbeitet werden kann…. Wenn das nicht die Charakterisierung der Tätigkeit eines Künstlers ist? 

All diese Konstruktionen geben dem Menschen jene Freiheit, die wir auch dem Künstler zuschreiben. Der Künstler nimmt Seite wahr, die niemand für wahrscheinlich hält. Der Künstler geht mit Etwas um, das er nicht sieht, das niemand sehen kann. Der Künstler integriert Ausgeschlossenes und   kommuniziert gerade dort, wo nicht mehr kommuniziert wird…

Luhmann will dem Unberechenbaren, dem Unwahrscheinlichen eine Form geben   – an diesem Paradox muss er stets scheitern:  Ist das nicht Kunst? 

Hat er nicht in „Kunst der Gesellschaft“ alle Eigenschaften des modernen Künstlers Schritt für Schritt herausgearbeitet und deutlich gemacht, diese sind unabhängig von speziellen künstlerischen Fähigkeit wie Malen, Zeichen, Schreiben, sie kommen in allen sozialen Systemen vor.

Die Kunst spiegelt die Gesellschaft wie im Modell, schreibt Luhmann im Klappentext zu „Kunst der Gesellschaft“. Das heißt, dass die Gesellschaft von der Kunst lernen kann, lernen sollte ( was der erweiterte Kunstbegriff ausdrückt)! 

Aber wie kann das geschehen?

Fehlen dem „erweiterten Kunstbegriff“ systemische Einsichten? Was (grundsätzlich) nicht der Fall sein kann, da Beuys, wie kein anderer, die Autonomie der Kunst hermetisch steigern konnte (18) und anzunehmen ist, dass dies aus dem Wissen um die Kraft der Autonomie geschah. Diese Kraft, die der erweiterte Kunstbegriff birgt, könnten wir positiv nutzen.

Wie verträgt sich die notwendige Hermetik ( die Autonomie) der Kunst mit dem Anspruch der Erweiterung von Kunst, wenn die Kunst den Kunstbereich verlässt und sich gesamtgesellschaftlich integriert?

Liegt das Problem nicht vielmehr in der Politik, der Wissenschaft und in den Medien, dass die Dimensionen des erweiterten Kunstbegriffes nicht realisiert werden können? 

An dessen Stelle eine gewaltiger Popanz aufgebaut wurde, der die Sicht auf  – jeder Mensch ein Künstler – verstellt?  

Diese offenen Fragen stellen sich mir, nach dem Studium von „Kunst der Gesellschaft“.

GL 

(1) Beuys hat das so formuliert, dass der Mensch sich von den Göttern und Engeln emanzipiert hatte und diese nur helfen, wenn der Mensch sich selbst hilft!  

(2) NL: in seiner Abschlussrede in Bielefeld „Was ist der Fall?“ und „Was steckt dahinter?“
Die zwei Soziologien und die Gesellschaftstheorie* 

Niklas Luhmann
Fakultät für Soziologie, Universität Bielefeld, PF 100131, D-33501 Bielefeld Dort: „Man könnte auch, in Analogie zu Kunstformen, sagen, daß die Soziologie die Ge­sellschaft in der Gesellschaft zu parodieren hätte.“

(3) Wie uns die Kommunikationsabwehr der Künstler bis in die 70er Jahre und die Tendenz zur Selbstzerstörung a la Charles Bukovsky deutlich machte. 

(4) – die allerwenigsten Künstler sind hauptberuflich Künstler

(5) Die Schärfe des Satzes – jeder Mensch ein Künstler – wird durch den üblichen Gebrauch des Wortes Kreativität fast eliminiert !

(6) Von den Flugblättern der Reformation, über die Festgestaltung der italienischen Stadtstaaten, die Prachtbauten aller Stilepochen bis zu den Illustrierten die eigene Zeichner anstellten usw.

(7) Der medizinische Laie konnte beobachten, wie sich innerhalb der Medizin, die bisherige symptomatische Medizin durch die mRNA Methoden in Richtung einer biochemisch dominierten Medizin verschob; die in Verbindung – mit einer nach Rationalisierung tendierenden Gesellschaft – verheerende Folgen auf Politik und Wissenschaft hatte, sowie die Aufgabe der Medien, Öffentlichkeit zu schaffen, beeinflusste. 

(8) Dieselben Rechtsberater, die vorher für die Impfpflicht eintraten, befürworteten Monate später deren Abschaffung. 

(9) „Börserl“ österreichischer Ausdruck für Geldbörse. 

(10) Gerade diese existenzsichernden Maßnahmen werden durch die Medien und die Regierungen problematisiert, um damit Angst zu machen, aber nicht gelöst, damit hätte man sich die Mittel der Manipulation genommen. 

(11) Die Themenschwerpunkte des „Kunstforums“ geben einen Überblick über die Themen der Zeit seit den 70er Jahren

(12) https://www.rbb-online.de/rbbkultur/radio/programm/schema/sendungen/der_zweite_gedanke/archiv/20220707_1900.html

(13) die Gründung eines „Büros für Direkte Demokratie“, Documenta 5 / die Gründung der Freien Universität  FIU auf der Document 6 / die 7000 Eichen Aktion auf der Documenta 7 geben die Richtung an, wie von der Kunst aus ins Wirtschaftliche ( Finanzierung der 7000 Eichen), ins Ökologische, in die  Wissenschaft, auf das Demokratische eingewirkt werden sollte.

(14) „Kulturalismus“, ein Begriff, den Bazon Brock im Zusammenhang mit der Diskussion um die Documenta 15 gebraucht hat. Siehe Video Fußnote (12) 

(15) http://luhmannsschwarzehefte.com/2022/01/03/der-kongress/

(16) Meine Familie stammt aus Südtirol, und ich weiß um die Folgen für Generationen, die durch Annexion Südtirols durch Italien nach dem Ersten Weltkrieg, auftraten. Ähnliches gilt für das Baskenland, Schottland, Nordirland, Korsika, um nur einige europäische Brandherde, die schon über Jahrhunderte schwelen, anzusprechen.

(17) http://luhmannsschwarzehefte.com/2022/01/03/der-kongress/

(18) siehe die Aktion „Celtic“ in Edinburgh….und den Bericht von Johannes Stüttgen hierzu  

Der Text bildet die Grundlage für die Lecture Performance, am 14. September 2022 auf der https://luhmannconference.com/ in Dubrovnik

4 Kommentare zu „Nachtrag:“

      1. Ich bin der Alma Mater ihrer wissenschaftlichen Schemata ihrem Lehrgebäude nicht unterworfen
        Ich bin Mensch ohne Rahmen, Gerüst, mit Gerippe, ohne Raster; als für kurze Zeit ein Entwurf, ein Geworfener
        Im Alltag gehe ich weder nach einer Methode, einer Wegbeschreibung, einer Vorgabe zur Vorgehensweise zur alltäglichen Arbeit die zu tun ist vor
        Ich anerkennen keine Prinzipientreue, nach dem etwas gegliedert, geordnet sein soll
        Zur Gesamtheit von Objekten, die sich in einem ganzheitlichen Zusammenhang befinden und durch die Wechselbeziehungen untereinander gegenüber ihrer Umgebung; bin durch meine Haut abgegrenzt
        Die Menge der Innenwelt zur Außenwelt von Elementen, zwischen denen bestimmte Beziehungen bestehen; ich bin nicht der Herr im eigenen Hause
        In festgelegter Manier, der Art und Weise zusammengeordnete Linien o. Ä. zur Eintragung und Festlegung von etwas der Wahrscheinlichkeit nach auf den Punkt bringen zu können, das Scheitern will gelernt sein
        Den Mengen von Zeichen, die nach bestimmten Regeln zu verwenden sind, dem weiss ich erst nach der Tat
        Nach dem Grad verwandtschaftlicher Zusammengehörigkeit gegliederter Zusammenstellung von Tieren, Pflanzen bin ich ein Tier nicht mehr und nicht weniger

        Gefällt 2 Personen

  1. Danke wie hier mit akzentuierten strichARTigen Zeichnungen und dem informativen wie beispielhaften Text Kunst, Wissenschaft und die soziale Beziehung miteinander verknüpft werden.
    Das ist Kunst an, wie auch in der Gesellschaft.

    Gefällt 1 Person

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