Ist Pandemie männlich?

Wer wird die nächste Kanzlerin?

 
Vorgeplänkel:

Seit dem Frühjahr ist mir das Thema gegenwärtig und ich beobachte verwundert, wie sich einmal das eine, dann wieder das andere der drei grammatikalischen Geschlechter unter Corona nach vorne drängt und immer sieht es so aus, als ob damit etwas klarer geworden wäre.

Bist du nicht bei Sinnen, auf dieses heikle Thema einzugehen, da kriegst du so oder so eine auf den Deckel, sagte ich mir immer wieder, und das noch als „alter weiser Mann“…..!?

In Extremsituationen wie Naturkatastrophen, Kriegen, Hungersnöten, plötzlicher Armut, hereinbrechender Krankheit, Tod, aber auch bei Festen der Freude wie Geburt, Hochzeit und besonders bei religiösen Festen kommen die unterschiedlichen Qualitäten der Geschlechter  verstärkt zur Geltung. 

Was dabei den Umständen und den Kulturen geschuldet ist oder den physiologisch-psychischen Eigenschaften der beteiligten Personen, ist schwer zu differenzieren. Extreme Situationen fordern Frauen, Mütter, Männer, Väter, Söhne und Töchter, Kinder und Jugendliche wie Alte besonders heraus und verstärken Eigenschaften, die sonst im Alltag untergehen, lässt neue entstehen, fordert sie heraus. 

Die sozio-psychische Verfassung in der Pandemie wirkt nicht nur überlastend für die Individualpsyche, sondern bietet auch eine Art kollektiver Entlastung. Wir erleben gerade heilsam, dass wir alle, unabhängig welcher Schicht, welchem Stand zugehörig, unter einschränkenden Bedingungen existieren (1).

Dass in diesem veränderten sozio-psychischen Klima dem Kollektiv der Geschlechter bzw. der Geschlechtlichkeit eine veränderte Rolle zukommt, kann zumindest vermutet werden.

Hysteria (2)

Zur Zeit des jungen Sigmund Freud sprach die Psychologie noch von weiblicher Hysterie, ein Terminus, der heute verpönt ist, wurde die Hysterie doch vorwiegend wohlhabenden Frauen zugeschrieben.

Dass wir es zur Zeit verstärkt mit einer Hysterie der Angst –  die weder weiblich noch männlich ist – zu tun haben, ist offensichtlich: 

Angst vor Impfung, Angst vor steigenden Sterberaten, Angst vor der Angstmache der Regierungen und Medien, steigende wie fallende Zahlenkurven, Krankheitsverläufe, Personal- oder Bettenmangel in Kliniken, staatliche Maßnahmen, der Blick auf andere Länder und Kontinente oder sonstiger Alternativlosigkeiten.

Hysterie wird als eine emotionale Reaktion bezeichnet, in der die imaginierte Angst, die berechtigte Angst durch reale Gefährdung weit übersteigt. Hysterie hat keinen Bezug mehr zu realen Gefahren, ja sie imaginiert Gefährdung, beschwört sie herbei, um dieser psychischen Anhaftung nicht verlustig zu werden. 

Corona männlich?

Alle Protagonisten, die in vorderster Front etwas zur Pandemie zu sagen hatten – gerade am Beginn der Krise  – waren Männer: 

Drosten, Lauterbach, Streeck, Kekulé auf der einen Seite, Bhakdi, Wodarg, Schiffmann auf der Gegenseite. 

Bei genauerem Hinsehen finden sich viele Frauen,  Epidemologinnen, Virologinnen und Ärztinnen, die sich an der Diskussion beteiligten. 

Die Charaktere und Typen, die mit der Coronadiskussion identifiziert wurden, blieben aber ausschließlich Männer. 

Mutti Merkel bleibt, wie schon oft im Reigen der  Männerbünde, eine der großen Ausnahmen! 

Es gäbe genügend Argumente, um meinen Eindruck männlicher Dominanz unter Corona aus der Welt zu schaffen, aber bitte lassen Sie uns trotzdem einen Probelauf versuchen. 

Die weiterführende Frage wird nämlich interessant: 

Welche Art von Männern sind das, die durch Corona so viel Aufmerksamkeit erlangten. Welche Art von Männlichkeit  erlangte in der Krise Glaubwürdigkeit, welche Männlichkeit war würdig, einen Gegenentwurf abzugeben ?

Und welche Frau, außer Merkel, hätte einem Drosten den ersten Rang in der Reihe der Coronastars streitig machen können?

Fachliche Spitzenkompetenz, beruflicher Fanatismus mit einem gehörigen Maß an Fachidiotie, gepaart mit dem grandiosen Instinkt für die Notwendigkeit authentisch medialer Präsenz, sind einige der Fähigkeiten, derer es bedarf um, der medialen Welt – vom täglichen Wissens-Podcast bis zur Schlacht mit BILD – gewachsen zu sein.

Holen wir männliche Rollenklischees aus der Mottenkiste: 

Groß, kräftig, seelisch und körperlich gepanzert, und gleichzeitig geschmeidig wie James-Bond.

Treffen diese auf Drosten, oder Lauterbach zu? 

Verfügen diese beiden über eine Männlichkeit, die bei anderen Männern sofort Aggression und Verteidigungsbereitschaft, gepaart mit kumpelhaftem Schulterklopfen auslösen? 

Im Gegenteil, Christian Drosten wirkt eher linkisch und unbeholfen. Mit seinem frisch gebügelten weißen Laborkittel – auch Anzüge oder Hemden wirken an ihm wie Berufskleidung – mit seinen zerzausten Haaren, als wäre er  gerade dem Bett entstiegen,   

vermittelt er das Gegenteil einer patriarchalen Männlichkeit, an der sich eine Frau, ein Freund, ein Kind beruhigt anlehnen könnte. 

Er vermittelt eher Hilflosigkeit, auf die der HelferInnen-Instinkt sofort anspringt, der damit spielt, dass damit Abhängigkeit entsteht, die ausgenützt werden kann.

Christian Drosten repräsentiert das Rollenklischee des schnuckeligen, jungen, tapsigen Liebhabers, wie er in Oper, Operette und Liebesroman dargestellt wird. 

Die Ironie dieser Rolle kam bei der Verleihung des  Schillerpreises zum Vorschein. Die Heldenrollen in Schillers Theaterstücken – allesamt Liebhaber und Schurken – sind ihm wie auf den Leib geschrieben. 

Karl Lauterbach zeigt eine Männlichkeit mit mephistophelischer Kontur.

Der brave sozialdemokratische Bub mit lupenrein proletarischer Schul- und Berufskarriere vermittelt eine Art von fachlichem Wahnsinn, wie wir ihn aus Goethes Faust kennen. Lauterbach ähnelt dem Wagner, der als Famulus dem Faust zur Seite gestellt ist. 

Während Drosten unermüdlich und unausgeschlafen am Corona-Ball bleibt vermittelt Lauterbach den Wahnsinn, den wir aus der Beschreibung „weiblicher Hysterie“ kennen.

Seine ihm gelegentlich entgleitenden Gesichtszüge, seine oft ins absurde driftenden Vorschläge zu Coronabekämpfung zeugen von einem Fanatismus, den die Evidenz naturwissenschaftlicher Erkenntnisse als Konsequenz nahelegt.

Seine Stimmlage, die krächzend hell, ja von spitz abrupt in dumpfe Tonlagen kippt, als wäre er im Stimmbruch, verstärkt den Eindruck eines schrägen Grenzgängers.

Schon die Frage: „Umfasst Lauterbachs Ausdrucks-Skala den Gegensatz von männlich-weiblich oder den Übergang vom Kind zum Erwachsenen?“ lässt erahnen, wie mehrdeutig die Antwort ausfällt

Lauterbach macht deutlich, dass zur Zeit mit Gefühlsqualitäten entstehen, die sehr wohl mit unserer Geschlechtlichkeit zu tun haben, sich aber der eindeutigen Zuweisung männlich-weiblich entziehen.

Kehren wir zur Unterscheidung männlich oder weiblich zurück, können wir mit der üblichen Gegenüberstellung und negativen Abgrenzung arbeiten:

Welche Frau könnte die Funktion eines  Lauterbach oder Drosten in der Corona- Diskussion einnehmen? 

Drosten hat dies in seinem Podcast nach der Sommerpause bereits versucht. Er macht die Sendung nun abwechselnd mit der Virologin Sandra Ciesek. 

Sogar die Otto- Falckenberg-Schauspielschule könnte ihr nicht annähernd jene Qualitäten beibringen, über die Drosten verfügt, ohne dies jemals gelernt zu haben. 

Beobachten wir Virologinnen, wie Dr. Christine Dahlke, Prof. Helga Rübsamen-Schaeff, Dr. Melanie Brinkmann, Dr. Heidemarie Holzmann, Prof. Dr. Elisabeth Puchhammer- Stöckl, Prof. Dr. Karin Mölling, die zumindest vergleichbare fachliche Positionen wie Drosten haben,

so finden wir bei keiner der Frauen diesen absoluten, ja fanatischen Ehrgeiz wie bei Karl Lauterbach.  

Noch weniger finden wir die geniale Kombination „der Leichtigkeit des Seins“ und hartnäckigem Aufklärungswillen des Christian Drosten. 

Frauen wie Dr. Anna Holzscheiter ( Politologin) oder die Schriftstellerin Thea Dorn – um nur zwei zu nennen (3) –  verfügen vielleicht ebenso über denselben „Willen zur Macht“, wie die beiden Herren, nur fehlt ihnen jener naturwissenschaftliche Hintergrund, der unter Corona als maßgebend gilt.

Gingen wir von der Selbstdefinition der Wissenschaft aus, wäre es egal, ob eine Frau oder ein Mann wissenschaftliche Ergebnisse vorträgt. 

Durch das hohe mediale Interesse an diesen wissenschaftlichen Aussagen gerät der Überbringer in den Fokus und damit kommt der zweigeschlechtliche Hermes ins Spiel. Es wird bedeutsam, wer und wie die Botschaft überbracht wird. 

Christian Drosten ahnte dies, als er im Februar diesen Jahres das Angebot zum Coronavirus-Update des NDR annahm und damit zum Popstar aufstieg.

Das Ergebnis meiner wilden Spekulationen:

Wo liegt denn die Gewissheit solch wilder Spekulationen?

In der (repräsentativen) Demokratie!

Beobachten wir Wahlen, so gelten keine sachlichen Argumente mehr. Jeder weiß, welche zunehmende Wichtigkeit das Aussehen, die Stimme, das Auftreten und die Performance der KandidatInnen hat. 

Kann man sich die Kandidatin als Freundin, Mutter, Frau, Tante oder Chefin vorstellen? 

Wäre der Kandidat ein vertrauenswürdiger Freund, Vater, Gatte, Vorgesetzter, würde er akzeptiert werden, wenn die Tochter ihn nach Hause bringt? 

Dabei – und das werden wir bei der nächsten Wahl in der BRD erleben – kommt es immer darauf an, wer nach den Vorstellungen der WählerInnen mit dieser Krisensituation  zurecht kommen könnte. 

So gesehen verfügt mein Verfahren sehr wohl über eine Sicherheit, die den demoskopischen Umfragen und anderen Wahlprognosen weit überlegen ist. 

Nehmen wir diese zwei schrägen Typen, Christian Drosten, Karl Lauterbach, die unter Corona zu Stars der Szene mutierten und nehmen den Saubermann Hendrik Streek noch dazu, lassen das Ganze bis zur Wahl im Herbst noch ordentlich köcheln: Was kommt dann raus? 

Richtig geraten: Friedrich März

Treffen meine Überlegungen als Hexenmeisters zu, wird Weihnachten 2021 Friedrich März als Bundeskanzler der Bundesrepublik Deutschland die Weihnachtsansprache halten. 

GL

Nachsatz: 

Obwohl ich die Zuspitzung der Geschlechterrollen unter Corona in der Familie, in Freundschaften und Beziehungen, in der Arbeit, in der medialen Öffentlichkeit, im Sport, in der Politik usw. ganz übergangen habe, möchte ich hier die Geschlechterfrage auf diesen Gedankengang – der nur skizziert werden konnte – beschränken.  

1) und Markus Lanz dazwischen

(1) Die Israeliten mussten nach dem Auszug aus Ägypten ( Exodus)  40 Jahre lang im Kreise durch die Wüste wandern, bevor sie bereit waren, ins Gelobte Land. ( Kanaan)  einziehen zu dürfen. Hier wird ein kollektive Reinigung beschrieben, die mit Corona verglichen werden könnte. 

(2) Name einer Studentinnen-Verbindung Österreichs

(3) die bei Markus Lanz auftraten

2 Kommentare zu „Ist Pandemie männlich?“

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