Andy Warhol, Peter Handke, John Cage und Sigmar Polke zu Corona:

John Cage, Peter Handke

Von JournalistInnen der Sozialen Medien, die meist keine sind, aber an die hunderttausend Demonstranten in Berlin auf die Straße brachten,

wird die Rolle der Medien in Coronazeiten immer wieder kritisch beleuchtet. 

Die sogenannten Leitmedien erlangten durch Corona wieder mehr Aufmerksamkeit, gaben sie doch weitgehend die Verordnungen der Regierungen weiter. 

Die jüngst wieder „Qualitätsmedien“ genannten sind sich ihrer Rolle zurzeit wieder gewiss.

Dass es aber unter Corona zu tektonischen Verschiebungen  zwischen Medien, Wissenschaften und Politik kommt, ist ein Phänomen, auch wenn wir noch nicht genau sagen können, was da vor sich geht.

Erkennbar ist, dass die staatstragende Rolle der Wissenschaft medial unterstützt wird. 

Leitmedien gegen Soziale Medien

Die Gegensätzlichkeit zwischen Leitmedien und Sozialen Medien erklärt noch nicht die Ursache der Verschiebung, unterscheiden sich doch die Methoden der traditionellen Medien wie TV und Radio nicht wesentlich von denen der  digitalen Medien-Kanäle.  

Viele der „kritischen“ JournalistInnen wie Ken Jebsen, Eva Herman und Milena  Preradovic kommen aus den Leitmedien und haben dort ihre Techniken erlernt und auf YouTube Kanälen, auf Telegramm usw. angepasst und zugespitzt  (1).

Hat sich über die Digital-Medien nicht nur etwas verschärft, was durch die Einführung privater Sender ins Spiel kam, eine Wendung von Information zum Infotainment? 

Die selben Methoden

Es werden emotionale Aufhänger gesucht, um die mediale  Aufmerksamkeit auf diese zu lenken und von den sachlichen Fakten abzulenken. 

Das Publikum begreift ja diese ganzen komplizierten Fakten nicht und der Journalist muss dann als Vermittler mit einfachen emotionalen Bildern den Überforderten auf die Sprünge helfen.

Mit dem emotional verpackten Bild (ZB. in Form dramatischer Kurven) bekommt der Leser, Zuhörer eine klar-unklare Meinung als Nebeneffekt verpasst.

Das geht dann so: 

Frau Preradovic macht den Zuhörern deutlich, wie blödsinnig der „Corona-Inzidenzwert“ von 50 Infizierten auf 1000 Einwohner ist. Sie nimmt dafür das Beispiel einer kleinen Gemeinde mit einigen hundert Einwohnern, woraus sich umgerechnet 24 Erkrankte ergeben, davon würde dann vielleicht ein halber Mensch an oder mit Corona sterben. 

Dieses Beispiel, zweimal in einer Sendung wiederholt – und der Inzidenzwert wird zum absoluter Blödsinn! 

Alle umständlichen Erklärungen des eingeladenen Fachmanns  Prof. Dr. med. Andreas Sönnichsen, der das Gegenteil zu behaupten versucht, verblassen neben der Anschaulichkeit, mit der Milena Praradovic den Inzidenzwert   lächerlich machen konnte(2).

Das ist kein Einzelfall (3), seit März diesen Jahres konnten  wir in unzähligen Diskussionen und Talkshows erleben, wie naiv sich Ärzte, Virologen, Epidemiologen, Politologen, Statistiker, Mathematiker verhielten, sobald sie nur in die Nähe des Verstärkers Politik rückten.

Politik und die Macht des: „Sein oder Nichtsein“

Naturwissenschaftler haben in ihrer Ausbildung und Praxis selten erlebt (4), wie ihre Thesen mit folgenschwerem Ernst  aufgeladen wurden, sobald sie in die Nähe politischer Entscheidungen kamen. 

Sie realisieren jetzt, wie plötzlich alles Relative, theoretisch Mögliche, statistisch Wahrscheinliche zu unverrückbaren Tatsachen und zur politischen Machtfrage „Sein oder Nichtsein?“ wird.

Die Macht, die damit bestimmten Wissenschaften zugespielt wird, wissen einige für sich zu nutzen (5), fast alle tappen aber naiv in jene Falle, die der Narzismus auf der Bühne der Öffentlichkeit ausgelegt hat, 

denn plötzlich geht es nicht mehr nur um mögliche Wahrheit im Kreislauf von These und Gegenthese, sondern um Handeln oder Nicht-Handeln. 

Plötzlich geht es nicht mehr darum, ob jemand mit einer Maske vor Coronaviren geschützt ist, sondern auch darum, dass das Volk die Gefährlichkeit des Virus nicht unterschätzt. 

Es geht darum, dass durch wissenschaftliche Aussagen Politik legitimiert oder in Frage stellt wird, dass Wissenschaft stabilisierend oder destabilisierend wirkt. 

Da schwillt den Streithähnen beider Parteien – den „Coronaskeptikern“, wie den „Gesundheitsaposteln“ – der Kamm gar oft ganz rot an.

Der Verstärker Politik 

Denn plötzlich geht es auch darum, dass die Wissenschaft sich nicht für die Legitimation politischen Handelns missbrauchen lässt.  

Plötzlich wird die Naturwissenschaft zur Rechtsfrage und zur sozialen Frage, sie wird Soziologie. Jede biologische Aussage zieht unweigerlich soziale und wirtschaftliche Folgen nach sich(6).

Dieser Situation waren all diese braven Virologen und Ärzte, bis auf wenige  Ausnahmen (7), nicht gewachsen.

ZB. zeigen Ärzte, die sich im  „Deutsche(n) Netzwerk Evidenzbasierte Medizin“ (EbM) zusammengeschlossen haben, mit ihren medizinischer Aussagen,

wie wenig Ahnung sie von diesen sozialen und politischen Dimensionen haben (8).

Künstler zu Corona

Als ich mir die vielen Interviews und Diskussionen von  Wissenschaftlern zu Corona im Netz ansah, kam mir, 

wie ein Kontrastbild, ein Interview mit Peter Handke in den Sinn:

Er sitzt äußerst ablehnend und skeptisch in Salzburg der Interviewerin gegenüber und alles an ihm fragt : „Was unterstellen Sie mir mit diesen Frage?“  

Ich erinnerte mich an eine Situation in den 70 er Jahren in Bremerhaven, wo John Cage einem Journalisten, der ein Interview erwartete, diesem anbot, mit ihm Schach zu spielen.

Es kommt mir Sigmar Polke in den Sinn, der bei der Eröffnung seiner großen Museumsausstellung in Düsseldorf, dem Direktor ins Gesicht spuckte (9).

Und es kommt mir Andy Worhol in den Sinn, der nicht einmal mit „Yes“ auf Fragen des Interviewers (10) antwortete, sondern nur schüchtern und verlegen, mit wirren weißen Haaren die Polaroid-Kamera in den Händen, stumm und unnahbar an der Wand lehnt.

Nur Wissenschaftler wie Dr. Drosten und Karl Lauterbach haben – aus meiner Sicht – vergleichbare Fähigkeiten entwickelt.

Wovon aber die thumben Faktenhudler, die mit ihren „falschpositiv“ Statistiken herumfuchteln und sich stolz Wissenschaftler nennen, nicht die geringste Ahnung haben. 

Was können Wissenschaftler von den Künstlern lernen? 

All die genannten Künstler sind von dem Satz „The Medium Is the Massage“ von Marshall McLuhan geprägt worden! 

Sie wussten und beobachteten immer und überall, wie eine Botschaft durch das vermittelnde Medium geprägt wird.

Viele, im besonderen Musiker, mussten am eigenen Leib erfahren (Janis Joplin) , wie ein medial vermitteltes Bild ihrer Person ihr Leben schwer schädigen konnte. 

So ist Skepsis, die Beeinflussung der Vermittlung, ja, sogar eine Verweigerung notwendig, um gegen die Aura der Medien anzukommen.

 «The Great Reset» ein Ritual 

Es drängt sich mir immer mehr die Frage auf, ob diese weltweite Übung, all die Eingriffe ins Private, in staatliche Strukturen, in die Umstrukturierung der Verwaltung, bis hin zu einer Art Staatswirtschaft, nicht nur die Folgen eines ansteckenden Virus sind?

Weist nicht die Intensität, mit der Corona bekämpft wird, die Hartnäckigkeit der Institutionen, der Einfallsreichtum an Strukturvorschlägen, die Bereitschaft mitzumachen, sich der Situation anzupassen, darauf hin, 

dass unsere Sozialsysteme diese Art der Regulierung und sozialen Neustrukturierung bedarf?

Es scheint, unser sozialer Organismus hat sich nur nach einer Gelegenheit gesehnt um sich neu organisieren zu können? 

Weist nicht die Beflissenheit, mit der sich das Kind, der Schuldirektor, die Journalistin, der Polizist und der Kritiker bemühen, alles richtig zu machen und die gerade stattfindende Angstregulierung auf eine Gelegenheit hin, die erwartet wurde um sie zu nützen? (11)

Üben wir zur Zeit nicht gerade Rituale ein, über die wir unsere offenen sozialen Strukturen gemeinsam als gefährdet erleben können um den gemeinsamen Versuch zu unternehmen diese zu schützen? 
GL

(1) Ein besonders eklatantes Beispiel ist Kai Stuht

mit seinem Creative Caravan Projekt, der Journalismus nie professionell erlernt hat und dementsprechend wie ein Wildsau im Gehege alles verbeißt: 

Auch der etwas begabtere Dr. Raphael Bonelli, setzt die  journalistische Technik der Emotionalisierung von Beispielen ein, ohne selbst Journalist zu sein:

(2) Ich muss zugeben, ich habe das Bild noch etwas zugespitzt auf einen halben Toten und habe es damit selbst journalistisch aufgemotzt!

(3) Frau Prof. Kämmerer wurde vom Corona- Ausschuss zum PCR Test befragt und gibt dazu differenzierte Antworten, aber am Ende bleibt nur das Vorurteil von Rechtsanwalt Dr.. Reiner Füllmich über: „PCR Tests sagen nichts aus, sie sind Fake!“:

https://luhmannsschwarzehefte.wordpress.com/2020/10/22/pcr-test-die-wirklichkeit-der-moglichkeit/

(4) Das erstarken der Psychologie zu Corona gehört auch hierher. Nur fehlt der Psychologie jegliche Instrumentarien die gesellschaftlichen Zusammenhänge, wie sie sich unter Korona darstellen, zu erfassen.  

(5) Dr. Drosten und Prof. Alexander Kekulé

(6) In Grenzfällen, in der eigenen Karriere, bei der Finanzierung eines Projektes, oder in Fachausschüssen zur Politiker-Beratung, werden Wissenschaftler sonst mit den sozialen Wirkungen ihrer Arbeiten konfrontiert. 

(7) wie Dr. Lauterbach

(8)Nur  ein Beispiel von hunderten der Art: Dr. Andreas Sönnichsen, der Vorsitzende der ( EbM) meint, die einzig vom Tod bedrohte Gruppe unter Corona  seien Männer über 84, was er mit einer Statistik belegte. Seine Schlussfolgerung daraus, hier verkürzt: Wegen dieser „Alten“  würden wir alle und insbesondere die Kinder, diesen scharfen Maßnahmen ausgesetzt sein!

So wird über den Hinweis, dass Menschen unter 50 an Corona wahrscheinlich nie sterben werden, alle Maßnahmen in Frage gestellt. Daran stimmt aber etwas nicht, vermute ich? Wäre die Schwere der Nachwirkungen und Schädigungen, der Kollaps des Gesundheitswesens insgesamt usw. nicht auch zu bedenken, nicht nur die Todesrate? 

(9)“Berühmt wurde aber vor allem ein Interview, das Sigmar Polke 1964 verfasst hat. Er selbst tritt darin gar nicht auf, vielmehr lässt er es zwischen Gerhard Richter und einem (fiktivem) Kunstkritiker, Anthony Twaites, stattfinden“ Zitat Wolfgang Ulrich 

http://www.philo-fine-arts.de/programm/cat/diers-blunck-obrist-hg/buch/das-interview.html  :

(10) „ So antwortete Ad Reinhardt einmal auf jede Frage einfach nur mit »Yes«,“ Zutat Wolfgang Ulrich 

http://www.philo-fine-arts.de/programm/cat/diers-blunck-obrist-hg/buch/das-interview.html  :

(11) Das wäre so etwas wie eine Verschwörungstheorie, zB.  «The Great Reset», nur ohne Verschwörung. 

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s