Freiheit als Widerspruch in Corona

Für die einen ist es keine Frage, sie fühlen sich durch Abstandhalten, Maskentragen und den anderen Maßnahmen in ihrer Freiheit eingeschränkt, aber nehmen das wegen, „unser aller Gesundheit zu Liebe“, hin.

Andere fühlen sich in ihrer persönlichen Freiheit massiv eingeschränkt und unterfüttern das mit der Behauptung: Ihre Grundrechte auf Freiheit werden verletzt! 

Zur Rechtsfrage kann ich mich nicht äußern, davon verstehe ich zu wenig.

Anscheinend ist aber das Bedeutungsfeld der Freiheit durch Corona in einen Widerspruch geraten, der es zu zerreißen droht. 

Den dabei entstehenden Missverständnissen möchte ich hier denkend folgen.

Friedrich Schillers vielzitierter Satz zur Freiheit 

„Der Mensch ist frei geschaffen, ist frei,

Und würd er in Ketten geboren,

Laßt euch nicht irren des Pöbels Geschrei,

Nicht den Mißbrauch rasender Toren.

Vor dem Sklaven, wenn er die Kette bricht,

Vor dem freien Menschen erzittert nicht.“

(Friedrich von Schiller)

– lesen wir ihn gegen den Strich gebürstet – berichtet davon, dass wir immer nach Freiheit rufen, wenn wir uns in Ketten gelegt und versklavt erleben. 

Im beschaulichen, gemächlichen Leben werden Tiere aus Käfigen befreit und es wird nach „der Freiheit für Pinguine“ gerufen. 

Bei zunehmender Pression ist aber der Ruf nach Freiheit laut zu vernehmen! 

Auch das Geschrei des Pöbels wie die rasenden Toren zählt Schiller zu den Kennzeichen, die auf eine beraubte Freiheit hinweisen.

Wer sind gegenwärtig diese rasenden Toren:

Die Regierenden treten nicht gerade als Tyrannen auf.

Sind die Fachleute, sind Herr Drosten oder Herr Bhakti die Toren? 

Und das Geschrei des Pöbels? Könnten das die Corona- Skeptiker sein, die, indem sie Freiheit einfordern, diese gefährden? 

Oder sind die Medien der Pöbel, der aus Drosten, Bahkti und Wodarg und ihren Gefolgsleuten Pöbel werden lässt? 

Tatsache ist: Wir erleben eine Beengung der Freiheit durch die staatlichen Maßnahmen zur Eindämmung der Pandemie. 

Aber sind diese Maßnahmen Ketten, die wir zerreißen müssen? 

Im Zusammenhang mit der Beschränkung der bürgerlichen Freiheiten durch Corona wird immer wieder eine Ähnlichkeit  zum Faschismus und zur Diktatur unter der SED heraufbeschworen.

Kommen wir über diese Analogie der Frage näher? 

Ist der Vergleich der Einschränkung unseres Lebens durch  Abstandsregelungen, Quarantänemaßnahmen usw. 

mit den Freiheitsbeschränkungen wie den staatlich verordneten Maßnahmen zur Ausrottung der Juden und der Internierung und Vernichtung politischer Gegnerschaft nur im Ansatz gerechtfertigt? 

Weist die in Diskussionen oft parallel geführte Analogie von Coronamaßnahmen mit Faschismus und DDR auf Entsprechungen hin oder zeugt sie eher von fehlender Geschichtskenntnis?

Der Ruf nach Freiheit zeigt unter Corona seine Widersprüchlichkeit: 

Einerseits sind wir wirklich frei nur im Denken, in der Wissenschaft und der Philosophie, wie uns das Volkslied – „Die Gedanken sind frei!“- nahelegt!

Und andererseits ist Freiheit auf Handeln bezogen, wobei in Bezug auf Handlung Freiheit nur darin bestehen kann entweder zu handeln oder auch nicht!

Wenn Gedanken und damit wissenschaftliches Denken frei sind, kann es aber auch keine zwingenden Begründungen geben, die sagen, du musst oder kannst nur so handeln. 

Die Freiheit des Denkens schließt zwingende Begründungen aus. 

Jede Begründung ist kontingent, während Handeln nur eindeutig sein kann! 

Alle wissenschaftlichen Aussagen, die Vorhersagen sind, können nie Gewissheit vermitteln, obwohl sie so auftreten.

Das heißt, es wird immer den Unterschied von Handeln und Wissen geben.  Das Wissen kommt immer an die Grenzen seiner Möglichkeiten, an der der Handelnde abzuwägen hat: Soll er reagieren (regieren) oder nicht!

Gegenwärtig, auch unter Corona, stehen sich nicht nur Wissenschaft und Politik gegenüber, sondern wesentliche Mitspieler sind die Medien und hier im besonderen die unter Corona erstarkte Social Media! 

Gerade dort beruft man sich auf Freiheit. So wäre zu fragen, welche Maske (1) die Freiheit in den sozialen Medien trägt? 

Um nur einige harmlose Masken zu nennen:  

„Wir repräsentieren den Volkswillen!“

„Wir geben den Opfern von Corona eine Stimme!“

„Hier werden die wahren Fakten genannt!“

„Die Maßnahmen sind langsam schädlicher als das Virus selbst.“

„Hier wird Meinungsfreiheit gewährleistet!“ 

„Die Regierenden betrügen uns!“

…….

Der Umfang der Freiheit wird in den sozialen Medien so ausgedehnt, dass deren Bindekraft kaum noch gewährleistet ist und es mir oft erstaunlich erscheint, wieweit deren Möglichkeiten überdehnt werden können, ohne dass eingegriffen wird! 

Die Aufregung über gelöschte Videos, die dann meist eh wieder aufgetauchen, sind zu vernachlässigen gegenüber dem vielen Schrott, der hier unreflektiert und ungelöscht konsumiert wird!

Im Netz haben sich so viele kleine Stars mit zehn bis hunderttausend Aufrufen etabliert, die als Fachleute auftreten (und es ja auch oft sind) die tausende Menschen um sich versammeln und mit Meinungen versorgen, die ihrem Publikum plausibel erscheinen, ihnen in ihrer Verunsicherung Halt geben und in vielen Fällen deren rebellischen Geist stärken. 

Die Folge ist, es fällt ihnen noch schwerer, mit den – ihrer Meinung nach unberechtigten – Maßnahmen der Regierungen zurechtzukommen! 

Bezeichnend dabei ist, dass „die Maske der Kritik“ selbst nicht kritisiert werden darf! Wagst du es die Maske anzusprechen, wirst Du auf das heftigste beschimpft! 

Kritik der Kritik…..!? 

Soweit ist das Netz noch nicht!  Fehlen ihm in seiner Beliebigkeit wohl noch Strukturen oder Foren, in denen Kritik an der Kritik stattfinden kann. 

Freiheit und ihr Widerspruch – existenziell gesehen! 

Im Existenzialismus wurde deutlich: Kein Mensch ist freiwillig auf der Welt. Keiner ist freiwillig in diese seine Familie hineingeboren, keiner ist gefragt worden, ob er mit diesem oder jenem Geschlecht, Aussehen und Erbanlagen versehen wurde. Dieses Jenseits von Freiheit – das Geworfen-Sein – macht unser irdisches Dasein aus, behaupten die Existenzialisten. 

Freiheit und Gesundheit bedingen sich gegenseitig: Der Körper bedarf der Gesundheit, um einige Freiheiten überhaupt ausleben zu können, während die Gesundheit selbst und ihre Gefährdung nicht zu meinen Freiheiten gehört.

Da befinden wir uns in einem Grenzbereich, denn wenn jemand sich selbst gefährdet, werden wir – mit Worten und Taten – versuchen, ihn davon abzuhalten. Wenn jemand andere gefährdet schon gar! 

Wir wissen, dass wir der Gesundheit bedürfen, um unsere

Freiheiten ausleben zu können. Was sind Maskentragen, Abstandhalten anderes als die Notwendigkeit, die Freiheit anderer – nämlich deren Gesundheit – zu achten?

Aber genau diese Maßnahmen, mit denen die Freiheiten anderer geachtet werden, erleben wir, ichbezogenene Europäer, als einen großen Eingriff in unsere Freiheitsrechte? 

Welch ein Widerspruch, der die Freiheit unter Corona ausgesetzt wird, sehe ich mal von meiner Freiheit ab.

GL

(1) Alles was in Medien – egalen welchen – vermittelt wird. ist Vermittlung und trägt eine Maske! 

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