Die Maske – ein religiöses Phänomen?

Verfolgen wir die Diskussionen zum Thema für und gegen das Tragen von Masken, stellen wir eine unversöhnlichen Verhärtung von Befürwortern und Gegnern einen Fanatismus fest , den wir sonst aus den Auseinandersetzungen zwischen Muslimen, Juden und Christen kennen. Den wir

– aus dem Widerstreit zwischen Sunniten und Schiiten

– zwischen Katholiken und Protestanten kennen und 

– der auch zwischen orthodoxen und gemäßigt assimilierten Juden zu beobachten ist.

Die Positionen der Masken-Befürworter und Gegner, die wohl mit rationalen wissenschaftlich-medizinischen und juristisch belegten Argumenten geführt wird, kapseln sich von den Argumenten der gegnerischen Seite so ab, dass ein unversöhnliches Gegenüber entstehen muss! 

Treibe ich den Vergleich mit den Religionen noch weiter, hat wieder einmal in unserer Gegenwart der muslimische und jüdische Gott gegen den christlichen gesiegt: 

Muslime und Juden unterscheiden sich nicht wesentlich in der Botschaft Gottes an die Menschen, da in beiden Religionen über eine Ansammlung von Geboten und Verboten vermittelt wird (1), die das Gerüst für ihr religiöses Leben abgeben und unbedingt eingehalten werden müssen.

Erinnert die Diskussion über das Kopftuchverbot nicht an die Diskussion über die Maskenpflicht? 

Hätten wir uns zur Zeit der Kopftuch-Diskussion im Traum vorstellen können, dass wir im christlich säkularisierten Westen bald eine ähnliche Diskussion über „Lebensregeln“ führen werden, deren Sinn sich rational nur sehr begrenzt erschließen lässt? 

Ich bin weder Moslem noch Jude, aber ich könnte mir vorstellen, dass deren Kultur die Menschen auf Regeln der Art vorbereitet, während wir im individualisierten Westen uns mit Verordnungen, die unsere persönliche Freiheit einschränkt, weniger leicht anfreunden können.

Könnte es sein, dass die muslimische und die israelische Kultur die Menschen auf die Coronakrise besser vorbereitet als es die Christliche vermag? 

Der Westen hat dem Individuum einen so hohen Stellenwert zugewiesen, dass der Staat viele soziale Aufgaben, die früher den religiösen Gemeinschaften überlassen waren, heute von ihm übernommen sind. So verfügen wir nicht über soziale Bindungen wie Muslime und Juden, für die die ( Groß-) Familie immer noch der gesicherte Ort und hauptsächliche Bezugspunkt im Leben des Einzelnen darstellt. 

Auch hier kann ich nur vermuten, dass es einem gläubigen Juden oder Muslim leichter fallen müsste, mit „social distancing“ und Maskenpflicht umzugehen, stört die staatlichen Maßnahmen seine sozialen Bindungen doch weniger als diese ein ohnehin schon isoliertes Individuum Noch mehr vereinsamt.

Sicher lässt sich auch in christlich sozialisierten Regionen, wo die Familien noch stärker sind und eine sozial bindende Funktion einnehmen, beobachten, dass die Isolierung durch die Maßnahmen der Regierungen nicht so psychisch destabilisierend wirken.

Vielleicht hat ja das grandiose Versagen der christlichen Kirchen in der Coronakrise, deren Latein hier zu Ende war, etwas damit zu tun. Scheinbar sind wir Christen auf so einen Rückgang ins Kollektiv nicht gut vorbereitet.

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Ich, der radikal individualisierte Künstler, plädiert ja ohnehin dafür, alle Maßnahmen der Regierungen zu Corona als ästhetisch- modisches Phänomen zu behandeln.

Schauen Sie doch welche Vorteile Masken haben: 

Wie erleichternd ist es, wenn Fragen wegfallen wie: Welchen Lippenstift trage ich heute, wie entferne ich meinen Damenbart?  All diese und weitere Sorgen fallen einfach weg!

Ja, die Augen muss ich sorgfältiger schminken, aber die Frisur…. 

Die Frisur kommt mit den Masken ja immer durcheinander und ist – „Sieht doch eh niemand mein Gesicht“ – gar nicht mehr so wichtig! 

Ja, Masken werden schon Typ-passend angefertigt, da mehr bissiger Hund, dort eher das Rehlein, dann der allgemeine antiseptische Wundverband, der bedeutet, ich gehöre zum Bodenpersonal, dort der Behelmte mit Schutzschild wie uns die Polizei längst vorgemacht hat und und und

Wir trugen doch immer schon Masken, nur nicht um Mund und Nase, da kann es doch gar nicht so schwer sein, sich auch noch einen Maulkorb zu verpassen! 

Und ehrlich, haben wir uns nicht seit Jahrhunderten darin eingeübt, uns hinter Masken zu verstecken? 

Gibt es Sozialisation ohne Maske, Rolle, Vorurteil?

Ja, meine Damen und Herren, kommt dem Gesicht weniger Aufmerksamkeit zu, dann wird Ihrem Schuhwerk, Ihrer Handtasche, Ihrer Kleidung mehr Aufmerksamkeit zukommen. 

Der Ausschnitt bei Männern, behaart oder rasiert, mit Kettchen oder bloß wird wichtiger, der Schnitt der Hose, immer schon sehr bedeutend, wird jetzt noch mehr beobachtet und auch die Gewichtungen von weniger oder mehr Nacktheit hat sich wesentlich verschoben: Wenn oben herum bedeckt, passt dann noch der Minirock?

Auch hier sind uns muslimische Frauen voraus, hatten diese doch auf Grund des verpflichtenden Kopftuchgebotes immer schon alles unternommen, um daraus modisches Kapital schlagen zu können!

(1) In der Thora sind insgesamt 613 Ge- und Verbote („Mizwot“) enthalten.

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