Die Verantwortung der Systemtheorie“ macht Sommerpause

Für akademische Lehrer wird Corona in die Ferien gehen, denn mit der Frage nach der „Verantwortung der Systemtheorie“, die nicht beantwortet wurde, gehen die Herren Professoren in die Sommerpause.

https://www.carl-auer.de/magazin/das-anhalten-der-welt/die-verantwortung-der-systemtheorie

Dass weder der Theoretiker Roth noch der Arzt und pragmatische Haudegen Fritz B. Simon die Dimension der Frage von Heiko Kleve in ihrem Kern erfassen konnten, wird dann über den Sommer hinaus auch vergessen sein.

Peter Sloterdijk und Hans Ulrich Gumbrecht hatten die Systemtheorie als die letzte Philosophie mit „ganzheitlich allumfassenden Anspruch“ charakterisiert, im Gegensatz zu allen anderen Philosophien zu Ende des 20ten Jahrhunderts, die wie, Odo Marquard, Hans Blumenberg, Michel Foucault, Jürgen Habermas und und und die Aufgabe der Philosophie eher in der kritischen Betrachtung der Geschichte und Gegenwart sahen, denn im Aufbau eines Begriffssystems, das letztlich sogar geeignet ist, eine Weltgesellschaft zu erklären.

Dieser Anspruch der Systemtheorie und die Auffassung, das Soziale manifestiert sich über Kommunikation, steht in einem krassen Gegensatz zur Bildung und Sprachfähigkeit der zweiten und dritten Generationen von Systemtheoretikern.

Die eher mit Allwissenheit und mit grob gehauenem Schreibstil auffallen, als dass sie der vielfältigen Facetten und Reize der Sprache mächtig sind.

Von eben diesen Systemtheoretikern werden dann meist nur drei Autoren zitiert, eine Zahl die sich bei promovierten Systemtheoretikern auf das Spektrum von fünf auszuweiten vermag, die abwechselnd zur Begründung eigener Theorien herangezogen werden.

Ja, es tut mir leid, aber so ärmlich kommt die Systemtheorie literarisch rüber und dann noch die Sprachbilder und Zitate der einschlägigen Autoren, die, wie in den Artikeln, auf die ich hier eingehe, eher der Wiedererkennung einschlägiger Autoren als zur Bereicherung und Erweiterung der Bedeutung dienen.

Wer so viel von Möglichkeiten redet, sollte doch auch bemerken, wie vielfältig die Metaphorik ist und wie bereichernd diese wirken kann!

Während Niklas Luhmann selbst aus einer umfassenden Kenntnis der gesamten Weltliteratur, der Mathematik, Kybernetik, Soziologie, Philosophie und der Juristerei schöpfte, bleiben seine Schüler an seinen schwer erarbeiteten, hochabstrakten Begriffen hängen. Können mit diesem „Luhmannsprech“ zu allem und jedem etwas sagen, ohne dabei überhaupt etwas gesagt zu haben, wie uns Armin Nassehi exemplarisch pausenlos vorführt. Zu loben daran ist, dass er zumindest einen neuen Sprachstil für Wahrsagerei erfunden hat.

Bei dem Ganzheitsanspruch der Systemtheorie hat es keiner, meist handelt es sich ja auch um Männer, nötig, so wie Luhmann selbst, die Geschichte noch und nochmal auf die Stimmigkeit seiner Thesen zu befragen.

Wer hinterfrägt schon, ob mit Systemen die Wirklichkeit des Sozialen als Ganzes erfasst werden kann, ob der binäre Code, auf die die Kommunikation bei Luhmann hinausläuft, der Weisheit letzter Schluss ist.

Die von Heiko Kleve gestellte Sinnfrage der Verantwortung der Systemtheorie weist auf den von Friedrich Nietzsche eingeführten Fragekomplex, der „Entwertung aller Werte“ in der Moderne hin, auf den auch Luhmann in seiner Weise reagierte.

Jene Sinnfrage, die in der Coronazeit sich eklatant in den Vordergrund drängte und die jene Bereiche, die in unserer Welt dafür zuständig sind (Wissenschaft, Politik, Religion, Kunst, Medien), an die Grenzen ihrer Möglichkeiten brachte.

Luhmanns Kenntnisse könnten hier in sehr begrenztem Maße helfen.

Denn wenn wir darauf hören, wo Antworten zur Sinnfrage gegeben werden können, dann kommen wir unweigerlich auch auf die Frage der Stellung der Religion in der Gesellschaft.

D.h. aber, ohne fundamentale Kenntnis der Religionen und ihrer Theologien in Theorie und Lebenspraxis werden wir uns dem Phänomen Sinn in der Gegenwart nicht nähern können.

Fritz B. Simon wies auf die „Langsamkeit“ von Sozialwissenschaftlern, Philosophen und Psychologen hin, die aufgrund ihrer „Trägheit“ in Krisensituationen nicht gebraucht werden können.

Erst dann, wenn wieder Zeit für längere Sitzungen und Diskussionen ist, könnten diese zum Einsatz kommen. Erst wenn die Fachleute uns in Büchern beschrieben haben, was da eigentlich war, als Corona war, werden sie wieder brauchbar!

Für schnelle Entscheidungen ist deren Rat nur zu erwarten, wenn sie in Hierarchien eingebunden seien, erklärt uns dann Dr. Fritz B. Simon.

Gute Diagnose und welche Therapie empfehlen Sie Ihren KollegInnen?

Müsste die Schlussfolgerung daraus nicht lauten: Die Geistes- und Sozialwissenschaften ( wenn ich den veralteten Begriff verwenden darf) sollten endlich mal auf die Beine kommen und laufen lernen.

Fort von ihren Büchern und schlecht geschriebenen wissenschaftlichen Abhandlungen hin zu Methoden, die sie fit für die Gegenwart machen, die, so zeigt uns Corona, in jeder Sekunde das Ganze der Zusammenhänge der Welt uns vor Augen führen kann.

Sie sollten üben im Ernstfall so fit zu sein, dass sie an jedem Ort und zu jeder Zeit Antworten auf die Fragen geben können, die Ihr Fach betreffen. Sie sollten lernen nicht in Orakeln zu sprechen, sondern sich in die Lage versetzen können, um die Welt als Einheit so darstellen zu können, wie dies Dichter, Maler, Zeichner, Musiker und Schauspieler uns dies seit Jahrhunderten vorführen.

Diese Künste bieten die Methoden an, wie Zeitverdichtung eingeübt werden kann.

Aber ohne Stil wird das nicht gehen!

Als Österreicher ( Robert Musil ist der Niklas Luhmann der Österreicher) ahnt mir schon, dass die Deutschen schwer verstehen werden, was mit Stil gemeint sein kann. Auch Lagerfeld musste zuerst von Hamburg nach Paris, bevor er seinen Stil finden konnte.

Karl Lagerfeld als Systemtheoretiker

2 Kommentare zu „Die Verantwortung der Systemtheorie“ macht Sommerpause“

  1. Etwa bei der vorletzten Jahrhundertwende befand sich die Physik in einer ähnlichen Krise. Es wurde gar langweilig, weil doch jeder Stein bereits gewendet zu sein schien. Die Kehrtwende brachte ein gewisser Herr Einstein. Mein Einwurf heißt nicht Einstein, sondern Johannes Heinrichs mit seiner Reflexions-Systemtheorie. johannes heinrichs.de

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  2. Etwa bei der vorletzten Jahrhundertwende befand sich die Physik in einer ähnlichen Krise. Es wurde gar langweilig, weil doch jeder Stein bereits gewendet zu sein schien. Die Kehrtwende brachte ein gewisser Herr Einstein. Mein Einwurf heißt nicht Einstein, sondern Johannes Heinrichs mit seiner Reflexions-Systemtheorie. johannesheinrichs.de

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