Umsteuern-der-Gesellschaft

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Was soll ich zum aktuellen Zwischenruf und den Reaktionen Sinnvolles beitragen?

Zu kritisieren ist an allen drei Beiträgen gar nichts! Trotzdem bleibt ein fahles Gefühl über, da so viele Frage offen sind und dem Leser wenig Leitlinien angeboten werden, wie diese Ziele realisieren werden könnten.

Ich frage mich:

Wieso wirkt die Bestandsaufnahme des Umweltdisasters von Prof. Dr. Claudia Kemfert und die Appelle zur Gestaltung von Fritz B. Simon so optimistisch naiv?

Weil, wie von Claudia Kemfert vorgeführt, ein Umweltbegriff verwendet wird, der naturwissenschaftlich auf Natur hochgerechnet und der einen ganz anderer Umweltbegriff voraussetzt, als den der sozialen Systeme? So vermutet Steffen Roth.

Ich denke, in dieser Richtung wurde von Steffen Roth eine Richtlinie gezogen, aber welche Begriffe könnten uns hier weiterleiten?

Die Natur hat ja in der Coronakrise gezeigt, dass sie „scheinbar“ mehr über unsere sozialen Systeme weiß als die gesamte Naturwissenschaft mit all ihren Hochrechnungen über das System Natur.

Was wahrscheinlich immer noch der Normalzustand ist, sonst Gnade uns Gott!

Corvid 19 ist, so wie er dem Biologen sich zeigt und in der Wirkung auf den Menschen erscheint, seiner Natur nach mit unserer sozialen Natur so verzahnt, dass unentschieden bleibt, was ist das Virus und was sind die Bedingungen ( im weiteren auch Umweltbedingungen), auf die er reagiert.

Das Virus scannt das Genom seines Wirtes, was die vorherigen Coronaviren so nicht konnten, so dass das Einfallstor für soziobiologische Ereignisse unabsehbar weit offen was es der Diagnostik so schwer macht, dem Virus eindeutige Werte zuzuweisen. (1)

Dass ist das Dilemma, an dem die gesamten Statistiken zur Zeit scheitern. Wird ein Parameter gefunden, nach dem man sich richten könnte, tauchen x andere auf, die ebenso berücksichtigt werden wollen.

Scheinbar zeigen sich an dem Virus weltweit die Schwächen sozialer Systeme und deren regionaler Vielfalt!

Schwächen, die medizinisch dann Immunsystem genannt werden.

Fritz B. Simons Optimismus und sein Appell, dass wir die Gesellschaft sehr wohl beeinflussen können, ist äußerst sympathisch.

Aber wie bei Claudia Kemfert frage ich mich, wie kann das geschehen?

Appelle haben ja meist eine ganz andere Wirkung, sie bewirken meist das Gegenteil von dem, was sie ändern wollen.

Niklas Luhmann hatte nie abgestritten, dass die Sozialisten Karl Marx und Ferdinand Lassalle mit der Entgegensetzung der Begriffe Arbeit/Kapitel grandiose gesellschaftliche Veränderungen bewirkten. Dieses Gegensatzpaar war so lange produktiv bis es ausgedient hatte.

Aber der Gegensatz Arbeit/Kapital war nur so produktiv, hatte er doch eigene Vertreter und Institutionen, die ihre Interessen in den Parlamenten vertraten. Dabei war der Staat, die Steuern und Abgaben, Richtlinien und Gesetze, die Instrumente zur Durchsetzung dieser Interessen.

Ich vermute, das deutet Steffen Roth an, wenn er davon spricht, dass das Model Sozialismus ( zu dem alle Parteien zählen, ob rechts oder links) und seine Forderungen an den Staat, nicht der Ausweg sein kann, um eine Gleichgewicht von Wirtschaft und Naturhaushalt wieder herzustellen.

Das Modell des Sozialismus, in dem der Staat das ausgleichen soll, was der Parasit Arbeit und der Parasit Kapital am Sozialen aus dem Gleichgewicht brachte, ist so nicht für die Natur zu übernehmen. Denn, wer vertritt im Parlament die Natur: eine Partei? Wer vertritt im Parlament den Menschen: das Soziale?

Ich war bei der Gründung der Grünen mit Beuys und Dutschke mit initiativ und hatte 1980 für diese Wählervereinigung Plakate gemalt, zu denen Beuys sagte, sie seien besser als die Partei, der eben gegründeten „Grünen Bündnis 90“.

Was meinte er damit?

Ich schickte Tiere nach Bonn, damit sie dort die Interessen der Natur vertreten!

An der Absurdität des Plakates wird die Problematik unserer Gegenwart sehr deutlich. Beim Schutz des Menschen gegenüber der Natur, sowie beim Schutz der Natur vor dem Menschen können wir nur etwas erreichen, wenn wir den Dritten finden, der das befördert!

Wo sind denn nun diese Tier?

Eines hat sich inzwischen deutlich gezeigt, die Damen und Herrn Virologen und Prognostiker sind sicher nicht die Abgeordneten der Natur und die Grünen können es auch nicht sein!

Es käme darauf an, gegenwärtig so prägnant Begriffe zu finden, wie es damals die Sozialisten taten, um das Soziale (inklusive Ausbeutung der Natur) in Bewegung zu bringen.

Das die Zielvorgaben ökologischer Umweltaktivisten, wie z.B. die Senkung der Erderwärmung, die Senkung des CO2 Ausschußes jene Begriffe sind, mit denen diese Ziele erreicht werden können, schließt sich logisch aus.

Die Natur wie das Soziale lassen sich nicht verplanen!

Stattdessen sollten wir eher den Wandel beobachten, der sich seit einigen Jahrzehnten, von der Produktion hin zum Konsum bewegte. Während im Industriezeitalter die Bewegung vom Konsum zur Produktion verlief, hat sich die Bewegung inzwischen umgedreht.

Der klassische Konsument ist als Leser, Zuhörer, Zuseher, User, Blogger, Käufer, Reisender, Kranker und Gesunder, als Sportler, Liebender und Bürger selbst zu einem wesentlichen Faktor der Produktion geworden, so, dass all das, was bisher Freizeit war längst Arbeit geworden ist.

Damit hat sich der Arbeitsbegriff im klassischen (buchalterischen) Sinn und als Gegensatz zum Kapital selbst aufgelöst!

Das Kapital wird nicht mehr von der Arbeit (durch Kosten) bedroht! Umgekehrt, Kapital und Arbeit haben sich arrangiert und wechselseitig ausdifferenziert, z.B. indem die Arbeit auf Kompetenzen, Fähigkeiten, Initiativen und auf das Leben als Ganzes ausgeweitet wurde, letztlich auf alles.

Arbeit und Kapital bedrohen sich nicht mehr, die Kampfbegriffe sind Routine geworden, bedrohlich ist das in der Wirtschaft eingesetzte Kapital durch ein Finanzkapital, das völlig aus den Fugen geraten ist.

Daran werden auch die Billionen nichts ändern, die für den „Wiederaufbau“ ( setzt Krieg, Zerstörung, den Vater aller Dinge, voraus!) von den Zentralbanken zur Verfügung gestellt werden. Im Gegenteil, diese könnte den Gegensatz von Wirtschaftskapital und Finanzkapital noch anfeuern!

Und, was haben wir jetzt?

Noch mehr offene Fragen?

Ich sage doch immer, nicht so viel nachdenken, das wirft nur noch mehr Fragen auf.

(1)

https://www.nature.com/articles/d41586-020-01315-7

Plakat von G. Lierschof zur ersten Bundestagswahl der Grünen 1980, 356/252 cm Acryl auf Papier, war aufgestellt beim Damtorbahnhof, Mittelweg ( nur mehr als Postkarte der FIU, Zweigstelle Hamburg erhalten)

1 Kommentar zu „Umsteuern-der-Gesellschaft“

  1. Anstelle Ich frage mich, wäre ich frage zu setzen:

    Wieso wirkt die Bestandsaufnahme des Umweltdisasters von Prof. Dr. Claudia Kemfert und die Appelle zur Gestaltung von Fritz B. Simon so optimistisch naiv?

    eventuell direkt an @Prof. Dr. Claudia Kemfert und @Fritz B. Simon zu adressieren, um Antworten zu erhalten.

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