Coronas Demut

Demiurgen, Weltenbeherrscher, Klimagiganten, Macher, die wir sind, erleben gerade, wie ein winzig kleiner Virus, der gegenüber anderen Erregern eher unscheinbar ist, uns demütigt.

Im reichen Westen können wir Corona, solange es nicht zur Inflation kommt, als wohltuende Entschleunigung für Mensch und Natur einordnen, während jene staatlichen Maßnahmen wie die Ausgangssperre in autoritären Staaten Afrikas oder Indiens sogleich ihre tödlich wirksame Maskenfratze zeigt.

Corvid 19 hat uns, ähnlich wie Tschernobyl, gezeigt, wie verwundbar wir und unsere filigranen, äquilibristischen sozialen Systeme sind.

Nachdem wir seit über 200 Jahren von den Ursachen der Infektionskrankheiten wissen und seitdem unzählige Erreger entdeckt wurden, müssen wir erleben, dass all die Institutionen, die seit Koch und Pasteur mit deren Erforschung beschäftigt waren, es nicht zustande gebracht haben, vernünftige Notfallpläne auszuarbeiten, die im Falle des Auftretens solcher Erreger stufenweise anzuwenden wären, stattdessen wurde die ganze Gesellschaft auf Null gesetzt, um sie dann wieder hochzufahren.

( Dass solche Notfallpläne zu erstellen möglich wäre, führt uns die Schweden vor, die anscheinend vorher wussten was sie wann zu tun haben.)

Hochfahren klingt gerade so, als ob ein Hochofen der Vöst einfach wieder eingeschaltet werden muss und schon läuft alles wie von Milliarden Euros befeuert.

Pustekuchen, eine Gesellschaft und deren Wirtschaft funktioniert so nicht!

Es ist demütigend erleben zu müssen, wie wir von Menschen regiert werden, die keine Ahnung davon haben, wie die verschiedenen sozialen Systeme unserer Welt zusammenwirken!

Diese Regierungen wissen wohl genau, wie sie die Öffentlichkeit manipulieren können, aber sie wissen scheinbar gar nichts darüber, wie sich unsere Wirtschaft finanziert, nämlich über Kredite ( in Österreich im Volumen zwischen 500 und 700 Milliarden ), die uns vermutlich bald um die Ohren fliegen werden.

38 Milliarden zur Rettung der Wirtschaft in Österreich: OK!

Aber deckt das die hw. anfallenden Ausfallkredite mit einem Gesamtkreditvolumen von 500 bis 700 Millarden Euro (in Österreich)?

Da werden 38 Milliarden benötigt, nur um den Kreditausfall bei den Banken zu bedienen, damit ist aber noch keine Arbeit getan…?

Und wieder werden wir demütig erfahren müssen, dass die Regierung ebensowenig von den anfallenden Krediten wissen konnte, wie sie auch nicht wissen konnte, dass in unserer Welt Viren vorkommen!

Die werden bei Wahlumfragen nicht mitgezählt, sonst hätte unser Kanzler Kurz schon lange ihre Gefährlichkeit gekannt.

Die Regierung konnte beim Lockdown auch nichts über die wirtschaftlichen Folgen dieser Maßnahmen wissen. Unser Steuermann kann scheinbar nur das ansteuern, was in seiner Sichtlinie liegt und Wirtschaftsdaten sieht er einfach nicht!

Von den konservativsten Ökonomen der Zentralbanken Europas wurde vor zwei Jahren in Basel diagnostiziert, dass unser Finanzsystem auf der Kippen steht und die einzige Frage sei, welcher unscheinbarer Anstoß es wieder ins Ungleichgewicht bringen wird.

(2007 waren es stagnierende Immobilienpreise im amerikanischen Nirgendwo, an sich eine ökonomische Nebensächlichkeit)

Die dritte – oder ist es die eigentlich primäre – Demütigung widerfuhr uns angesichts des Versagens der Religion.

Ich meine damit nicht die Kirchen, die so mit sich selbst beschäftigt sind, dass sie gar nicht bemerkt haben, wie gerade die Coronakrise sie gefordert hätte, Nein! Ich meine eher unser aller Religiösität, die hier wesentlich verstummt war!

Wo gab es den notwendigen Aufschrei, als Sterbende von ihren Angehörigen nicht besucht werden durften, ihnen kein würdiges Begräbnis zugestanden wurde, die Oma, der Opa nicht mehr besucht werden sollten, Ostern nicht gemeinsam gefeiert werden sollte, Menschen total vereinsamten und sich sogar umbrachten.

Wo war da unser christlicher Aufschrei, nein Buddhisten, wie der Infektionsepidemiologe Prof. Sucharit Bhakdi mussten uns darauf aufmerksam machen!

Wo war da unser religiöse Instinkt im christlichen Bayern, oder in „heiligen Land Tirol“, der uns sagen hätte sollen: Ansteckung oder nicht, aber Ostern nicht zu feiern, das geht zu weit!

Von den vielen Leiden und den Toten, die darauf zurückzuführen sind, dass über Wochen nur eine Krankheit galt und alle anderen zurückgestellt wurden, ganz zu schweigen.

Damit sind wir bei jenen Demütigungen denen wir ausgesetzt waren, als wir in Szenarien versetzt wurden, in denen wir zwischen Tod und Leben entscheiden mussten.

Uns wurden Zwangssituation simuliert, in denen wir über Leben und Tod zu entscheiden haben.

Faktisch betrachtet gab es die Szenarien zwar außer in Bergamo nicht, aber argumentativ erschien es

– als kämen Ärzte nur jetzt in die Schwierigkeit, entscheiden zu müssen welche Therapien wer bekommen wird,

– als müssten wir zuhause bleiben zum Schutz der Alten und der besonders Gefährdeten,

– als würde die Zahl der Intensivbetten und Beatmungsgeräte der Horizont sein auf den die gesamte Gesellschaft auszurichten sei,

– als würde unser aller Schicksal ausschließlich auf die Verknüpfung der Anzahl von infizierten Menschen und den entsprechenden Coronatoten abhängen,

– als würden wir alle grausamst ersticken.

( Alles diese Szenen haben sich im Nachhinein als faktisch unhaltbar oder maßlos übertrieben herausgestellt:

Der Triag sind Ärzte permanent ausgesetzt.

Gefährdung und Vorschädigung haben mit vielen Faktoren zu tun, auch mit regionalen Umweltbelastungen.

Beatmungsgeräte haben sich weniger als Hilfe, eher als tödliche Fallen herausgestellt.

Die Zahl der Coronatoten müsste revidiert werde in „mit“ und „an“ Corona Verstorbenen.

Die Zahl der Infizierten sagte mehr darüber aus, wieviele getestet wurden….usw. )

Das Vertrauen vieler Bürger in die öffentlichen Medien war vor Corona schon nicht gut, aber als die öffentlich rechtlichen Anstalten in der Krise zum Propagandainstrumenten der Regierungen mutierten, sich mit der Regierung gleichschalteten war da nichts mehr mit unabhängig und kritisch.

Die Zuschreibung, „die CORONAKRISE sei demütigend“ erfasst, so vermute ich, einen Aspekt der Krise, den wir sonst nicht so wahrnehmen.

Demütigung bezieht sich auf Demut – auf humilitas.

Demut setzt das Eingebunden-Sein, in eine göttliche Schöpfungslogik voraus, der, der Einzelne unterworfen ist, sich ihr unterwirft, dieses Schicksal demütig annimmt, imperativ gesprochen : anzunehmen hat!

Der Übergang von Demut zur Demütigung geht über die weltliche Vertretung dieser Macht, der wir unterworfen sind, durch die wir diszipliniert und in Reih und Glied geordnet werden.

Die körperliche Dimension der staatlichen Maßnahmen, wie Abstand halten und Ausgangssperren, (dem Wegsperren der Gefangenen nicht unähnlich) und die Maskenpflicht, (dem Namens- und Gesichtsverlust nicht unähnlich) verweisen auf die über Jahrtausende eingeübte Tradition all jener Disziplinierungsmassnahmen, die tief auf unsere Persönlichkeit eingewirkt haben.

Wir wissen aus den geschichtlichen Untersuchungen u.a. von Sigmund Freud und Michel Foucault, wie tief körperliche Disziplinierung in die Psyche ein- und weiterzuwirken vermag.

Der Auffassung, solche Maßnahmen könnten – da nur infektionshemmenden Ursprungs – eingesetzt und danach wieder, ohne bleibende Wirkung, ausgesetzt werden, widerspräche den Untersuchungsergebnissen dieser Autoren.

Wieweit hier tiefenpsychologische Wirkungen verbleiben oder das Vertrauen in den Staat dadurch noch weiter erodiert, kann ich nicht beurteilen, aber ohne Wirkung auf das Soziale, wird so ein einschneidendes Erlebnis nicht bleiben.

Und Europa, wo ist das geblieben?

Demütigend ist zu erleben, wie selbstverständlich die Grenzen der Nationalstaaten das Mittel gegen Corona waren und in der voraussichtlichen Finanzkrise, auch sein werden.

Corona seine Demut

3 Kommentare zu „Coronas Demut“

  1. Stefan Seidel:

    wer ist wir?
    – ich identifiziere mich nicht mit „deinen machern“.
    – sie nennen es demokratie
    – sie reden im namen des volkes
    – sie zerstören und desinformieren und manipulieren mit dem geld aus meinen steuerabgaben

    du redest wie die katholische machtkirche vor 500 jahren. und willst, dass ich „mea culpa, mea culpa, mea maxima culpa“.

    ein virus demütig nicht.

    keinen menschen. es sind andere menschen, welche andere menschen demütigen. miese prozesse. dumm hestaltete prozesse, wider besseres wissen.

    du psychologisierst, wo politisierung dringend nötigst wäre. schlimmer: damit legitimierst du?

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    1. Lieber Stefan!

      Es geht immer auch um Sprache, Ja!

      die etwas transportiert

      So wie das Wort Demut und Demütigung auch

      Wenn Du da nur Kirche und Schuld hörst erfasst Du nur einen Teil.

      Wenn Du nur Psychologie liest, ja das geht aber damit hast Du auch nur die eine Seite der Medaille erkannt.

      Mit dem Begriff der Demut wie der Demütigung ist, weit über persönliche Befindlichkeiten hinaus, jene soziopsychische Realität angesprochen die entsteht wenn Menschen, Bürger, wir in eine Schicksalsgemeinschaft hineingezwungen werden, wie sie vor Tausenden von Jahren wirksam war!

      Das geschah nämlich durch die Maßnahmen die anlässlich einer scheinbaren oder auch wirklichen Pandemie ausgelöst wurden.

      Dass das in deine linear progressiv optimistisches Geschichtsbild nicht passt verstehe ich schon.

      Aber es geschehen in der Geschichte immer wieder Atavismen, Rückfälle in Kulturzustände die längst vergangen sind und als so etwas erlebe ich die Coronakrise!

      Der Begriff der Demut und der Demütigung ist hierfür äußerst präzise gewählt, denn nur an ihnen kann aufgezeigt werden wieso so viele Menschen direkt darauf erpicht sind alle, noch so absurden Maßnahmen der Regierungen durchzuführen, ja sogar noch darauf bedacht sind, dass der Nachbar diese auch einhält!

      Ja es hat viel mit Religion zu tun, oder anders gefragt, mit der Frage wer über mein Schicksal verfügt! Und wenn das nur noch der Staat macht sind Tür und Tor für alle nur erdenklichen Manipulationen geöffnet.

      Etwas demütigend zu erleben ist ein sicher Indikator dafür, dass wir größten Gefahren ausgesetzt sind.

      Neben der Ebene des aktiven Handelns gibt es das mindest ebenso bedeutende Politische Potential des Erleidens. In diesem eher passiven Feld des Politischen passieren die ungeheuerlichsten Vorgänge, dort können wir so richtig manipuliert werden, weil wir meist gar nicht wissen was da mit uns geschieht!

      In der Weise bin ich mehr der Schüler von Beuys als der Studiosi von Luhmann!

      Demut ist meines Erachtens der Schlüsselbegriff für Corona!

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